Votum zum PfarreiEntwicklungsProzess

PFARREI ST. MICHAEL WERDOHL-NEUENRADE

Votum zum PfarreiEntwicklungsProzess

 

1. Die Ausgangslage: St. Michael Werdohl – Neuenrade 2017

Die Pfarrei St. Michael Werdohl-Neuenrade wurde am 1. Oktober 2006 gegründet und besteht aus den Gemeinden St. Michael in Werdohl mit der Filialkirche St. Petrus Canisius (4002 Katholiken), sowie der Gemeinde St. Mariä Heimsuchung in Neuenrade (2.260 Katholiken – Stand vom 28.02.2017). Beide Gemeinden sind in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nach über 300 Jahren Abwesenheit der Katholiken in diesen Städten, neu entstanden; bis heute sind die katholischen Christen in der Minderheit:

Werdohl:
Gesamteinwohnerzahl 18.614 100,00%
Anteil katholischer Christen 3.929 21,1% Anteil evangelischer Christen 5.709 30,7%
Anteil sonstiger Einwohner 8.976 48,2%

Neuenrade, Stadtzentrum (Pfarrgebiet*):
Gesamteinwohnerzahl 8.914 100,00 %
Anteil katholischer Christen 2.234 25,00 %
Anteil evangelischer Christen 3.169 35,25 %
Anteil sonstiger Einwohner 3.511 39,75 %

*Durch das Stadtgebiet Neuenrades verläuft die Grenze zum Erzbistum Paderborn.
In den Ortsteilen, die zum Bistum Paderborn gehören, ist der Anteil der katholischen Bevölkerung deutlich höher. Hier stellen sich die Zahlen wie folgt dar:

Ortsteile (Bistum Paderborn):

Gesamteinwohnerzahl 3.376
Anteil katholischer Christen 1.878 55,63 %
Anteil evangelischer Christen 835 24,73 %
Anteil sonstiger Einwohner 663 19,64 %

1.1: Eine Pfarrei für zwei Städte

Die Pfarrei St. Michael Werdohl-Neuenrade unterscheidet sich von den meisten Gemeinden des Ruhrbistums durch die ländliche Prägung der beiden Städte und die große Entfernung zum Bistumskern. Werdohl und Neuenrade sind kleine, kreisangehörige Städte mit jeweils weniger als 20.000 Einwohnern.
Werdohl ist eine geschichtlich von der Stahlindustrie geprägte Stadt mit einem hohen Anteil ausländischer, vor allem muslimischer Mitbürgerlnnen.
Die Stadt Neuenrade ist eine Stadt, in der sich viele klein- und mittelständische Unternehmen befinden. Auch hier verzeichnen wir einen steigenden Anteil an muslimischen Mitbürgerlnnen.
Auch in unserer Pfarrei bemerken wir den Trend, dass viele Jugendliche zum Studium oder zur Ausbildung in die Großstädte ziehen, in denen sie dann häufig auch ihre berufliche Zukunft gestalten. Dies hat einen deutlichen Einfluss auf die Altersstruktur der Pfarrei.

1.2: Kirchliche Entwicklungen

Die Pfarrei St. Michael Werdohl-Neuenrade ist eine Gemeinschaft der katholischen Christen, die glauben, dass die Frohe Botschaft Jesu allen Menschen aller Generationen gilt. Daher sehen wir uns GESENDET, das Evangelium Christi für uns immer neu zu verinnerlichen und zu leben, sowie auch nach Formen zu suchen, durch die es den heutigen Menschen BERÜHRT. Wir stellen fest, dass wir nicht mehr all das verwirklichen können, was früher möglich war. Auch die gesellschaftliche Situation in unseren Städten übt einen markanten Einfluss auf unseren Glauben aus. Als Faktoren, die unser katholisches Leben mitbestimmen, erkennen wir:
- Wenig Nachwuchs in den Familien, beruflich bedingter Wegzug der Jugendlichen in die Großstädte und Kirchenaustritte verursachen das Schrumpfen der Gesamtzahl der Katholiken in der Pfarrei: in 25 Jahren insgesamt um 30%, in den letzten 10 Jahren um 20%.
- Das Altern der Gesellschaft spiegelt sich in der Pfarrei wider.
- Die geringe religiöse Erziehung zu Hause wirkt sich auf die Kommunion- und Firmvorbereitung sowie die Einbindung der Kinder und Jugendlichen nach dem Empfang dieser Sakramente in das Gemeindeleben aus.
- Sinkende religiöse Bindung der Christen lässt die christliche Prägung der Gesellschaft schwinden.

Die Bedeutung und das Verständnis des christlichen Glaubens nehmen in der Gesellschaft allmählich ab und schwinden auch bei uns vor Ort, wo aktuell der Kirchenbesuch unter 10% liegt. Gott, Kirche und Glaube haben wie vielerorts immer weniger mit dem Alltag der Christen zu tun. Diese fortschreitende Glaubenskrise und deren Folgen erkennen wir als das Hauptproblem und die wichtigste Herausforderung in unserer Pfarrei.


2. Der Pfarrentwicklungsprozess in St. Michael

Aufgrund der rückgängigen Kirchenbesucherzahlen und des Priestermangels wurden 2006 im Ruhrbistum die Pfarreien zu größeren Seelsorgeeinheiten zusammengelegt. Wenige Jahre später ist im Bistum ein Dialogprozess eingeleitet worden, in dem Geistliche und Laien gemeinsam über die aktuelle und künftige Situation der katholischen Christen in der Region diskutierten. Im Anschluss an diese Debatte wurde die zweite Etappe der Strukturreform im Bistum begonnen. Hier wurde der Schwerpunkt auf die Entwicklung der Pfarreien gelegt. Die Katholiken vor Ort sollten überlegen, wie eine katholische Pfarrei in der modernen Gesellschaft glaubwürdig und ansprechend leben kann. Dazu hat das Bistum Essen in einem Pfarreientwicklungsprozess (PEP) die Pfarreien aufgefordert, die Situation vor Ort zu beurteilen und praktische Schlüsse zu ziehen. Die Ergebnisse werden dem Bischof mit der Bitte um Prüfung und Genehmigung vorgelegt.
Alle Pfarreimitglieder waren eingeladen, ihre Meinung zu äußern und die Zukunft der katholischen Kirche vor Ort aktiv mitzugestalten. Viele haben sich auf diesen Weg eingelassen und nahmen aktiv an drei Arbeitsgruppen (,,Menschen“, ,,Vernetzung“, ,,Finanzen“), an zwei Tagungen in der Katholischen Akademie Schwerte sowie an vier Pfarrversammlungen teil. An der Fragebogenaktion beteiligten sich auch Gläubige anderer Konfessionen und Bewohner anderer Städte. Alle Stimmen wurden gehört, ernst genommen und sind in das Pastoralkonzept eingeflossen, sei es direkt oder als eine richtungsweisende Inspiration für die Gespräche in den Arbeitsgruppen. Das Ergebnis des Prozesses zeigt deutlich, dass die Menschen eine moderne Seelsorge erwarten, die aber dennoch viele traditionelle Elemente enthält. Hierbei ist auf den Umgang mit den menschlichen Ressourcen, die in der Pfarrei zur Verfügung stehen, zu achten. Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen und der Umfrage sind bereits praxisnah ausformuliert und teilweise umgesetzt worden.
Nach der Diskussion in einer Pfarrversammlung wurde das Pastoralkonzept vom Pfarrgemeinderat verabschiedet. Es ist das Ergebnis eines langen und schwierigen Weges und stellt nicht das Ende, sondern erst den Beginn des Pfarrentwicklungsprozesses dar.

 

3. Pastorale Entscheidungen

Wir wollen in unserer Pfarrei eine lebendige Gemeinschaft der katholischen Christen schaffen, die Zeugnis gibt und einlädt, teilzunehmen und mitzuwirken. Daher wollen wir uns auf unseren konkreten Auftrag als Pfarrei konzentrieren. Wir wollen nicht um jeden Preis Gewohntes bewahren und auch nicht um jeden Preis Neues suchen.
Unsere wesentlichen Aufgaben sehen wir:
- in der Verkündigung der Person Jesu Christi
- in der Feier der Begegnung mit ihm (Liturgie)
- in dem Dienst an den Menschen nach Christi Vorbild (Caritas)
Verkündigung, Liturgie und Caritas sind untrennbar miteinander verbunden, stärken sich gegenseitig und sind nur in einer lebendigen Gemeinschaft erfahrbar. Diesen Auftrag wollen wir in wenigen, dafür aber realen Schritten, festhalten und umsetzen. Hierbei ist auf den verantwortungsvollen Umgang mit den geringer werdenden Ressourcen zu achten.

3.1: Verkündigung

Unser Ziel ist, die Menschen durch Wort und Zeugnis dahin zu führen, dass sie mit der Person Christi in Kontakt treten, seine Botschaft kennenlernen und so zu seinen Nachfolgern im Alltag werden.
Der Pfarrgemeinderat (PGR) will die Willkommenskultur neu gestalten (z.B. Begrüßung der neu zugezogenen und neugetauften Gemeindemitglieder, Nachfeier für die im Vorjahr Getauften).
Der PGR will die Öffentlichkeitsarbeit stärken, Pfarrblatt und Internetauftritt zeitgemäß gestalten sowie die Zusammenarbeit mit den Lokalmedien optimieren.
Der PGR will in Zusammenarbeit mit den Seelsorgern und ehrenamtlichen KatechetInnen die Form der Vorbereitung auf die Sakramente neu überdenken, weil die Auswertung der Fragebogenaktion gezeigt hat, dass die Sakramente auch kirchenfernen Gläubigen wichtig sind.
Der PGR will nach neuen Formen der Glaubensverkündigung in kleinen Gruppen suchen, besonders um die Menschen zu erreichen, die keinen Kontakt mehr mit der Kirche haben.
Wir sehen in der Jugendarbeit eine zentrale Aufgabe unserer Glaubensverkündigung.
Deshalb werden wir die bestehenden Jugendgruppen in ihrer Arbeit begleiten und unterstützen. Ferner ist es unser Ziel, spirituelle Angebote für die Jugend von den Jugendlichen selbst gestalten zu lassen.
Dazu wurde bereits ein runder Tisch der Jugendbeauftragten gebildet, bei dem Vertreter aller Jugendgruppen der Pfarrei gemeinsam beraten und die Jugendarbeit koordinieren. Für die Vorbereitung und Durchführung der Jugendgottesdienste haben sich bereits Jugendliche gefunden, die für die inhaltliche, musikalische und technische Gestaltung verantwortlich sind.

3.2: Liturgie

Unser Ziel ist eine würdige und ansprechende Feier unseres Glaubens in der Begegnung mit Gott und miteinander. Das erfordert die (Fort-)Bildung der ehrenamtlichen Helferlnnen für die liturgischen Dienste sowie die Förderung einer lebendigen Teilnahme aller Gottesdienstbesucher.
Die Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens. Wir stellen die Feier der heiligen Messe in die Mitte des Lebens unserer Pfarrei. Wir wollen auch in Zukunft die Gläubigen zur Teilnahme an den Gottesdiensten in jeder Gemeinde einladen.
Der PGR entwickelt in enger Zusammenarbeit mit den Seelsorgern Fortbildungsangebote für die Ehrenamtlichen im liturgischen Dienst sowie Wege der Förderung der lebendigen Teilnahme der Gemeinde am Gottesdienst.

3.3: Caritas

Die tätige Liebe ist das Wahrzeichen der Christen und soll ihre ganze Existenz durchdringen und bestimmen. Wir wollen weiterhin daran arbeiten, die Not der Menschen zu erkennen und konkrete Lösungen zu finden.
Dazu gibt es in den Gemeinden unterschiedliche Strukturen.
Wir wollen die bereits bestehenden Angebote wie Gemeindecaritas, Tafel, Kleiderkammer und Flüchtlingshilfe weiter begleiten und stärken sowie die Vernetzung mit anderen Institutionen und den Kommunen forcieren.


4. Die wirtschaftliche Situation

4.1: Ausgangssituation
Um dem Anspruch ausgeglichener Haushalte gerecht zu werden, bedarf es bis 2020 einer Kostenreduktion von 30 %, bis 2030 um 50 % gegenüber 2015. Diese Herausforderung stellt die Pfarrei vor schwere Entscheidungen. Den Löwenanteil der Kosten machen die Aufwendungen für die Gebäude aus. Dazu gehören nicht nur die Unterhaltungskosten, sondern auch die Aufwendungen für Reparaturen und Instandhaltungsrücklagen.
Das zwingt uns dazu, Vertrautes und Liebgewonnenes in Frage zu stellen und darüber zu entscheiden, wovon wir uns trennen müssen, um auch 2030 noch lebendige Kirche sein zu können.

Den Anforderungen des Bischöflichen Generalvikariates (BGV) entsprechend hat der Finanzausschuss in Zusammenarbeit mit dem vom BGV beauftragten wirtschaftlichen Begleiter zur Ermittlung der möglichen Einsparungen eine Kategorisierung der Gebäude erstellt. Diese wurde vom Kirchenvorstand in der Sitzung vom 26.10.2017 mehrheitlich beschlossen. Das Ergebnis liegt dem Votum als Anlage bei.


4.2: Wirtschaftliche Entscheidungen

Kirchen:

Die Pfarrkirche St. Michael in Werdohl wird erhalten bleiben, da sie auf lange Sicht die einzige katholische Kirche im Stadtgebiet ist. Hier sprechen wir nicht von der Innenstadt, sondern von der gesamten Fläche der Stadt, da es in keinem anderen Ortsteil eine katholische Kirche geben wird.

Die Filialkirche St. Petrus Canisius in Werdohl-Eveking ist bis 2030 aufzugeben. Bis dahin sind die Standortkosten zu reduzieren. Unter anderem sind nur noch kleinere Reparaturen zur Instandhaltung möglich. Die Bausubstanz ist schlecht, die veranschlagten Kosten für die Instandsetzung und Erhaltung übersteigen deutlich die finanziellen Mittel der Pfarrei.

Für die Gemeindekirche St. Mariä Heimsuchung in Neuenrade kann zunächst nur eine Standortzusage für die nächsten 10 Jahre gemacht werden. Die Stadt Neuenrade hat noch weitere kleinere katholische Kirchen in den anderen Ortsteilen. Diese liegen allerdings auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn.

 


Pfarrheime:

Der Große Pfarrsaal in Werdohl ist aufzugeben. Es werden Gespräche mit dem Kita¬Zweckverband geführt, um zu prüfen, ob die Kita den Raum übernehmen kann. Der Pfarrsaal ist für das Gemeindeleben nicht zwingend notwendig, da Ausweichmöglichkeiten bestehen.

Das Jugendheim in Werdohl bleibt erhalten. In diesem Gebäude befinden sich die Räume für Katechese, Jugend- und Vereinsarbeit der Gemeinde und die Verwaltung der Pfarrei.

Der Pfarrsaal St Petrus Canisius in Eveking bildet mit der Kirche und dem ehemaligen Pfarrhaus eine Gebäudeeinheit. Die Nutzung und Erhaltung ist durch die bauliche Situation von der Kirche abhängig. Eine gesonderte Betrachtung ist nicht möglich.

Das Philipp-Neri-Haus in Neuenrade bleibt erhalten. In diesem Gebäude findet das komplette Gemeindeleben außerhalb der Gottesdienste statt.

Pfarrhäuser:

Das Pfarrhaus St. Michael Werdohl wird vom Bistum Essen an den Orden der Franziskaner Minoriten Danzig vermietet. Die Instandhaltungskosten müssen aus den Mieteinnahmen erfolgen.
Der Kleine Pfarrsaal steht der Pfarrei weiterhin zur Verfügung. Die Nebenkosten werden nach Verbrauch abgerechnet.

Das Pfarrhaus St. Mariä Heimsuchung Neuenrade ist nach dem Auszug des Pastors kein Pfarrhaus mehr. Über die weitere Verwendung muss im Kirchenvorstand beraten und entschieden werden. Im Pfarrhaus sind zurzeit das Gemeindebüro und die Bücherei untergebracht. Für beide müssen ggf. neue Standorte gesucht werden.

4.3: Personalkosten

Bei der Gründung der Pfarrei im Jahr 2006 wurde das Personal auf ein Minimum reduziert. Weiterer Handlungsspielraum besteht zurzeit nicht.

4.4: Wirtschaftliches Fazit

Trotz dieser maximal möglichen Einsparungen kann die Pfarrei das geforderte Ziel der Kostenreduzierung nicht vollständig erreichen. Um auch in der Zukunft das kirchliche Leben in unserer Pfarrei sicherzustellen, benötigen wir für das verbleibende Defizit die Unterstützung durch das Bischöfliche Generalvikariat.

5. Pastorale Herausforderungen

Angesichts der beschriebenen gesellschaftlichen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Sachzwänge ist es unsere Aufgabe als Pfarrei auch in der Zukunft glaubwürdig christlich zu leben.
Wir müssen uns der Herausforderung stellen, trotz der Aufgabe der Gebäude NAH bei den Menschen zu bleiben und WACH ihre Sorgen und Bedürfnisse wahrzunehmen.

Kontakt

Pfarramt
St. Michael Werdohl-Neuenrade

Neustadtstr. 34
58791 Werdohl

Tel. 02392 - 80643-10
Fax. 02392 - 80643-19

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